Einzigartig dürfte die Fuchsstädter Tradition des Göügerschloans sein, die die Fuschter Euls vor elf Jahren wiederbelebt haben. Alljährlich erfreut sich das Spektakel großer Beliebtheit. Einfach ist es allerdings nicht, mit verbundenen Augen und einem fünf Meter langen Stock den vergrabenen Tonkrug zu treffen. Fotos: Gerd Schaar
Zum traditionellen Fuschter Göügerschloan trafen sich die jungen und jung gebliebenen Erwachsenen auf der Wiese an der Industriestraße. Der Verein "Fuschter Euls" hatte eingeladen und im Laufe des Nachmittags trafen immer mehr interessierte Zuschauer und aktive Teilnehmer ein.
"Nicht auf den lebendigen Hahn wird geschlagen, sondern ersatzweise auf einen mit seiner Öffnung nach unten in das Erdreich hinein gestampften Bierkrug", erläutert Markus Popp, Vereinsvorsitzender der Fuschter Euls. Der Schlagende erhält erst einmal einen Schnaps. Dann werden ihm die Augen verbunden und die Gögerschlagkappe landet auf seinem Kopf. Zum Schluss dreht Andreas Heidelmeier, Kassier der Fuschter Euls, den Teilnehmer noch ein paar Mal um dessen eigene Achse und drückt ihm dann den fünf Meter langen Stock in die Hand. Drei Schlagversuche hat der Teilnehmer. Die amüsierten Zuschauer geben derweil lauthals Tipps wie "mehr links" oder "mehr rechts". Als Erster tritt der Vorjahressieger Holger Wahler an. Vorsichtig streicht er vor seinen Schlägen mit dem Riesenstock über die Wiese, um den Standort des nur leicht aus der Erde ragenden Tonkruges zu erkunden. Dreimal trifft Wahler knapp daneben. Er ist enttäuscht.
Viele weitere Teilnehmer versuchen danach ihr Glück, ohne dass der Tonkrug zu Bruch geht. Nun wird der Krug ein wenig nach oben gedreht, damit es leichter wird. In der Zwischenzeit schaut der Gockelhahn, den die Gäste kurzerhand auf den Namen "Olaf" getauft haben, aus seinem Korb und genießt die Streicheleinheiten der Kinder.
Treffer beim ersten Schlag
"Die Tradition des Gögerschlagens geht auf ganz alte Kirmesbräuche in Fuchsstadt zurück", erläutert Popp. Der Gewinner heißt in diesem Jahr Thomas Heinz. Er stammt aus Fuchsstadt. Heinz zertrümmerte nach knapp zwei Stunden erfolgloser Bemühungen der anderen den verbuddelten Krug prompt mit dem ersten Schlag. Nur symbolisch erhielt er als Gewinner den Gockelhahn Olaf. Der kam zurück in seinen Hühnerstall. Die eigentliche Siegerprämie bestand in einem Gutschein für ein Hühnergericht, das Heinz in einem örtlichen Gasthaus genießen kann.
Der Spaßfaktor war für das Publikum das Wichtigste. Teilnehmen durfte jeder Erwachsene, egal ob Fuchsstädter oder auswärtiger Gast. "Für uns Fuschter zählt der Gemeinschaftssinn", betont Popp. Auch Andreas Heidelmeier ist seit Jahren mit von der Partie. Er hält es für sehr wichtig, dass "alte Traditionen am Leben erhalten werden". Nach Einbruch der Dunkelheit wurde das Kirmestreiben, zu dem es Grillhähnchen gab, ins Gasthaus "Fuchsbau" verlegt, wo noch bis in die Nacht hinein getanzt wurde.
Quelle:
http://www.infranken.de/nachrichten/lokales/bad-kissingen/Gockel-Olaf-war-Hahn-im-Korb;art211,219207